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In-Use-Performance-Ratio und die Folgen für die After-Sales-Diagnose

ServiceXpert unterstützt MAN-After-Sales bei der Einführung eines neuen Prozesses zur normkonformen Regelberichterstattung über die In-Use-Performance-Ratio (IUPR) bei MAN-Fahrzeugen

Hamburg, 18.01. 2012

Seit einigen Jahren verändern neue Technologien und Anforderungen das Werkstattdiagnoseumfeld für Automobil- und Nutzfahrzeughersteller. Seitdem das California Air Resources Board CARB bereits 1980 und die EU seit 1996 damit begonnen haben, die Menge der Abgase zu regulieren und zu beschränken, die ein Fahrzeug ausstoßen darf, sind die Abgasnormen kontinuierlich weiterentwickelt und die Grenzwerte kontinuierlich verschärft worden, die jüngsten Stufen dabei stellen die Euro-5-Norm, im PKW-Bereich, gültig seit 2009, und die Euro-VI-Norm für LKW ab 2013 dar.

Dabei genügt es nicht, die Richtwerte „einfach nur“ einzuhalten: Die Normungsbehörden haben darüber hinaus festgeschrieben, dass in allen Fahrzeugen ein Diagnoseverfahren umgesetzt werden muss, mit dem im Fahrzeug kontinuierlich überprüft wird, ob die abgasrelevanten Komponenten einwandfrei funktionieren und die Grenzwerte weiterhin eingehalten werden. Diese Forderung zu einer so genannten „On-Board-Diagnose“ (OBD) kamen beim CARB 1988, in der EU seit 2001 auf. Mit der Forderung zur OBD selbst ging auch eine fahrzeugtypen- und herstellerübergreifende Vereinheitlichung der Anzeige eines OBD-Problems im Fahrzeug einher (MIL-Lampe), eine Vereinheitlichung der Problemkennzeichnung (P-Codes) und eine Vereinheitlichung der Diagnoseschnittstelle (OBD-Stecker) und der dahinterliegenden Diagnosekommunikation zum Auslesen der OBD-relevanten Informationen.

Die OBD im Fahrzeug verwendet verschiedene Überwachungsfunktionen (so genannte „Monitorings“) in den beteiligten Steuergeräten für die verschiedenen zu betrachtenden Gruppen von abgasrelevanten Komponenten und Funktionen. Diese Monitorings werden aus Lastgründen nicht ununterbrochen im Steuergerät, sondern nur zu bestimmten Zeitpunkten eines Fahrzyklus durchgeführt.

Damit sichergestellt ist, dass die Nichtanzeige eines OBD-Fehlers nicht vielleicht nur darauf zurückzuführen ist, dass die Monitorings zu selten ablaufen, fordert die EU mit den jüngsten Normen auch ein Monitoring der Monitorings selbst. Dazu müssen die beteiligten Steuergeräte – in der Regel ist das nur das Motorsteuergerät – für jede Gruppe von funktional zusammenhängenden Monitorings mitzählen, wie häufig die Randbedingungen erfüllt sind, unter denen die Monitoring-Routine hätte starten sollen, und wie häufig das Monitoring tatsächlich vollständig durchgeführt wurde. Das Verhältnis dieser beiden Werte wird als In-Use-Performance-Ratio (IUPR) bezeichnet.

Um die anhaltende Qualität seiner OBD-Systeme nachzuweisen, muss jeder Fahrzeughersteller regelmäßig (alle zwei Jahre) die durchschnittliche IUPR über alle Monitoringgruppen und alle in Betrieb befindlichen Fahrzeuge aufzeigen. Dazu ist nach einem vorgegebenen Schlüssel zufällig eine repräsentative Stichprobe von Fahrzeugen zu betrachten, deren IUPR-Werte ausgelesen und berichtet werden. Bei der Stichprobe müssen unterschiedliche Fahrzeugkategorien im gleichen Verhältnis vertreten sein, wie sie tatsächlich im Markt sind. Unterschreitet die durchschnittliche IUPR die vorgegebenen Grenzwerte, muss der Hersteller die betroffenen OBD-Systeme nachbessern oder – im Wiederholungsfalle – die Fahrzeuge vom Markt nehmen, d. h., die Typgenehmigung für diese Fahrzeuge wird widerrufen.

Damit beschränken sich die OBD-Anforderungen nicht mehr nur auf das Fahrzeug selbst: Für die IUPR-Berichterstattung müssen die Daten regelmäßig aus den Fahrzeugen ausgelesen und in einer zentralen Datenbank derart gesammelt werden, dass die geforderten Auswertungen vorgenommen werden können. Jedes After-Sales-Diagnosesystem muss um die Auslesefunktionalität erweitert werden und um eine Transferfunktionalität in die zentrale DB. Per Benutzeranweisung oder durch Verknüpfung mit Regelabläufen – wie z. B. einer „jährlichen Wartung“ – muss zudem sichergestellt werden, dass die Daten auch aus jedem Fahrzeug, das in die Werkstatt kommt, hinreichend häufig ausgelesen werden.

Die Berater des Diagnose-Centers DiC der ServiceXpert GmbH begleiten die MAN Truck & Bus AG seit mehreren Jahren bei der Umsetzung ihrer Diagnosestrategie, bei der Ausgestaltung und Einführung eines neuen Diagnosesystems und beim Entwurf der umgebenden IT-Prozesse und Systemstrukturen. Dazu gehört seit jüngstem eben auch die Ausarbeitung eines IUPR-Auswerte-Prozesses inklusive der Anforderungssammlung für ein geeignetes Auswerte- und Reporting-Werkzeug.

Bereits seit den 90er Jahren beschäftigt sich die ServiceXpert mit Diagnose von technischen Systemen. Nach ersten Projekten für namhafte Flurförderzeughersteller und der Entwicklung eines eigenen Diagnosesystems mit Namen „DiaMon“ sammelte das Diagnose-Team der ServiceXpert weiter zahlreiche Erfahrungen in zivilen wie militärischen Diagnose-Projekten. Im Hamburger Diagnose-Center DiC bündelt die ServiceXpert diese Erfahrungen und das Know-how und unterstützt neben namhaften Automobil- und Nutzfahrzeugherstellern auch als Center of Competence die ESG-Gruppe in verschiedenen Diagnoseprojekten.

ServiceXpert, ein Unternehmen der ESG-Gruppe, beschäftigt über 85 Mitarbeiter an den Standorten Hamburg, München und Köln. ServiceXpert ist ein europaweit operierendes System- und Softwarehaus mit einem fokussierten Leistungsportfolio für das Lifecycle-Management von EE-Informationen für führende Hersteller von Nutzfahrzeugen Onroad und Nonroad sowie der Automobil- und Zulieferindustrie.

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